Projekt zur Förderung
junger Literatur

ASP: Hallo Ronny! Das ging aber schnell! Schön, dass du so postwendend reagiert hast. Aus aktuellem Anlass gleich diese Frage: Du organisierst am 02. September 2017 ein Autorentreffen in Wien. Was hat es damit auf sich?
RR: Am Anfang hatten die Treffen einen simplen Grund: Wir vom RINDLERWAHN-Autorenforum wollten uns einmal im wahren Leben kennenlernen.
Mittlerweile ist unser jährliches Autorentreffen zu einem richtigen Networking- und Austausch-Event geworden. Wir organisieren Workshops, Lesungen und küren die Sieger des Schreibwettbewerbs. Und wir freuen uns natürlich riesig über jedes neue Gesicht, das wir neugierig machen und für das Schreiben begeistern können.
Wichtig ist mir dabei, dass der Event für alle Mitglieder finanzierbar ist. Jeder gibt nur so viel wie er kann und mag.

 

ASP: Und nun zu deiner Website. Erzähl doch mal, wann, wo, warum und wie alles begann.
RR: Alles begann mit meiner Entscheidung, Autor zu werden. Ich spielte damals noch am Operettenhaus Hamburg die Rolle des Costa in »Ich war noch niemals in New York« und spürte, dass ich eine berufliche Veränderung brauchte. Nicht, weil ich unglücklich war – im Gegenteil. Die Zusammenarbeit mit Udo Jürgens und dem Creative Team war so inspirierend, dass ich wusste, das würde ich auf der Bühne nie wieder toppen können. Ich musste einen Schritt weiter gehen. Naja, und da war noch etwas, das ich schon mein ganzes Leben lang immer tun wollte: schreiben.
Mir war klar, dass das nur durch eine weitere Ausbildung gelingen würde. Also nutzte ich jede freie Minute im Theater, um mich in meiner Garderobe in meine Lehrhefte zu vertiefen und studierte Belletristik. Das brachte den Stein ins Rollen. Auf einmal schrieb ich Krimidinner, dann für HML Media Kurzkrimis. Eines ergab das andere. Mit dem Haken, dass ich plötzlich nur noch einsam an meinem Schreibtisch saß. Ich wusste: Das muss ich ändern! Also entwickelte ich meine Schreibkurse. Ich wollte endlich wieder Menschen um mich haben. Mit dem gigantischen Erfolg hätte ich nie gerechnet. Inzwischen habe ich das Gefühl, wirklich zu Hause angekommen zu sein.

 

ASP: Sind der Name deiner Website und die vielen Anspielungen darauf Programm?
RR: Auf jeden Fall! Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr ernsthaft arbeite, mich selbst dabei aber nie zu ernst nehme. Humor ist mir unglaublich wichtig im Leben. Genau das spiegelt der Name wider. »RINDLERWAHN« steht für den Spaß daran, über sich selbst lachen zu dürfen. Der Zusatz »schreibverrückt« versinnbildlicht die unermüdliche Übungslust, die für das professionelle Schreiben notwendig ist, ohne dabei die Freude am Schreiben aus den Augen zu verlieren. Denn das ist in meinen Augen das Wichtigste im Leben überhaupt: zu lieben, was man tut.

 

ASP: Du bist Schreibcoach und bietest Einzel- und Gruppencoaching, Workshops, Seminare, Webinare, Volkshochschulkurse, online-chats etc. Warum so unterschiedliche Varianten?
RR: Als so unterschiedlich empfinde ich meine Angebote eigentlich gar nicht. Das Schreiben steht immer im Mittelpunkt. Menschen und ihre Projekte sind nun aber stets sehr verschieden. Mein Ziel ist es, jedem die Möglichkeit zu geben, das Optimale aus meinen Kursen und Coachings für sein Projekt herauszuholen. Das geht nur, wenn ich mich auf meinen Kunden einstelle und nicht umgekehrt.

 

ASP: Wenn ich auf deiner Website das Autorenforum aufrufe, fällt mir auf, dass es unglaublich rege ist. Wie hält man so ein Forum aktiv und am Leben?
RR: Das frage ich mich auch ständig! Ich habe einfach unglaublich fantastische Mitglieder.
Dann bietet der Autorenalltag aber auch zahlreiche Anlässe für Events. So haben wir neben der monatlichen Schreibmuhtivation und dem jährlichen Schreibwettbewerb beispielsweise auch jedes Jahr einen eigenen Bereich für den NaNoWriMo*), befüllen einen Adventskalender mit Weihnachtsgeschichten oder lassen uns zu so aberwitzigen Wettbewerben wie »Schreibe das schlechteste Gedicht des Monats« hinreißen.
Es gab auch schon Mitglieder, die dem Forum vorwarfen, dass es zu einer reinen Event-Plattform verkommen sei. Ich sehe das genau anders herum. Ich finde es toll, dass wir all das bieten können und dass ich so ein wunderbares Moderatoren-Team habe, das mich tatkräftig bei der Arbeit im Forum unterstützt.
*) einmonatige Veranstaltung zur Förderung von Inspiration und Kreativität: http://nanowrimo.org/

 

ASP: Welche eigenen Schreiberfahrungen hast du gemacht und kommst du jetzt überhaupt noch dazu selbst zu schreiben?
RR: Oh ja! Ich schreibe jeden Tag! Es ist das Erste, was ich nach dem Aufstehen und der Gassirunde mit meinem Hund tue und das möchte ich absolut nicht mehr missen.
Beruflich habe ich inzwischen weit über 200 Kurzkrimis geschrieben, mein Krimi-Musical läuft aktuell sehr erfolgreich in der Theatercouch Wien.
Am meisten überrascht hat mich das Genre Lovestory. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mir das Schreiben von Liebesgeschichten so viel Freude bereiten würde.
Die härteste Schreiberfahrung bisher war für mich die Arbeit als Werbetexter für BMW. Zum einen, weil es so unglaublich viele Abteilungen gab, die mit demselben Text glücklich gemacht werden wollten und zum anderen, weil es eine echte Challenge ist, sich immer wieder neu zu erfinden. Ganz abgesehen von den vielen technisch-denglischen Fachsperrwörtern, die in möglichst kurzen Texten untergebracht sein wollen, ohne diese dann steif und trocken klingen zu lassen. Das war eine harte Schule. Das Werbetexten kann ich jedem angehenden Autor als Schreibtraining nur empfehlen!

 

ASP: Hast du konkrete Pläne für die nahe Zukunft?
RR: Es gibt ein größeres Schreibprojekt, an dem ich gerade arbeite. Außerdem möchte ich mich im pädagogischen Bereich weiterbilden und mein Kursangebot weiterentwickeln. Damit dürfte ich erst einmal eine Weile beschäftigt sein.
Außerdem steht ja der nächste NaNoWriMo quasi schon direkt vor der Tür. Im September starte ich ein spezielles Vorbereitungsprogramm im RINDLERWAHN-Camp. Auch darauf freue ich mich schon sehr.

 

ASP: Welche Visionen und Flausen treiben dich um? (Wir lieben Wahnwitziges!)
RR: Oh, ich liebe Visionen. Die meisten davon behalte ich aber lieber für mich, bis ich sie in die Tat umgesetzt habe. Ich freue mich auf den Tag, an dem wir es als Autorenforum auf die Buchmesse schaffen. Das war schon oft geplant, ließ sich aber bisher leider aus rein logistischen Gründen noch nie umsetzen. Wenn es Schreibverrückte gibt, die uns dabei unterstützen wollen, schreibt mir!

 

ASP: Welche Frage hättest du dir noch gewünscht? Oder was möchtest du ungefragt loswerden?
RR: Schreibt! Schreibt!! Schreibt!!! Schreiben bietet uns die Möglichkeit, Dinge die uns bewegen, nerven, beschäftigen und berühren in etwas Positives zu verwandeln. Schreiben befreit, Schreiben verbindet und Schreiben befriedet. Das ständige Grübeln, warum ein Antagonist sich so verdammt fies verhält, zwingt einen dazu, über den Tellerrand zu schauen. Das macht unglaublich tolerant. Und glücklich. Vielleicht sollte ich den einen oder anderen Präsidenten zum Autorentreffen einladen!

 

ASP: Danke, Ronny, für das Interview.

 

Kurzvita
Ronny Rindler arbeitet als freier Autor und Schreibcoach. Nach Hauptrollen in Musicals wie „Ich war noch niemals in New York“ oder Fernsehserien wie „Wege zum Glück“ entschied er, das Schreiben zum Beruf zu machen. Er studierte Belletristik. Zusätzliche Seminare führten ihn an die Bundesakademie Wolfenbüttel sowie zur legendären Plot-Flüsterin Martha Alderson aus Santa Cruz, Kalifornien. Seine Stärke als Schreibcoach: Als ehemaliger Schauspieler hat er Geschichten gelebt. Er weiß aus eigener Erfahrung, was sie spannend macht und welche Zutaten einer Figur Leben einhauchen.


https://www.rindlerwahn.de/

 

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf der Homepage das generische Maskulinum verwendet. Mit „der Leser“, „der Autor“ und „der Mensch“ sind hier also in jedem Falle Männer und Frauen gemeint.