Projekt zur Förderung
junger Literatur

quinke tod im flakon

Paula Bucha, erfolgreiche Geschäftsfrau, hat alle Eigenschaften, die man braucht, um sich im hart umkämpften Business der Parfumbranche durchzusetzen. Mit denselben Eigenschaften macht man sich jedoch nicht unbedingt beliebt: Paula ist herrisch, einnehmend, kontrolliert alles und jeden in ihrem Umfeld und bestimmt immer, wo es langgeht.

Auch im Abservieren ist sie gut. Wer ihr nicht passt, egal, ob als Liebhaber, Haushälterin oder Geschäftspartner, hat nichts zu lachen, wenn sie degradiert und schikaniert. Selbst als ihr derzeitiger Liebhaber tot im Bett aufgefunden wird, ist keine Zeit für Trauer oder Mitgefühl, life goes on, sie wird im Unternehmen gebraucht, weil gerade eine Menge schiefläuft und das kann selbstverständlich nur sie persönlich wieder richten. Ihr neuester Duft „Frühlingsopfer“ erhält nach einer fulminanten Präsentation schlechteste Kritiken, ganz offensichtlich ein Sabotageakt eines Konkurrenten. Oder vielleicht doch nicht?


Schnell wird klar, dass einer der Akteure ein falsches Spiel spielt, die Frage ist nur: Wer? Und wer hat eigentlich Jost Kalmbach umgebracht? Verdächtige gibt es viele und die Kriminalbeamten Dick und Bresniak tappen in ihrem vierten Fall mindestens so lange im Dunkeln wie der Leser.


Hier taucht man ein in die Welt der Parfumeure, hier lernt man so ganz nebenbei Dinge über Kopfnoten, über wertvolle Rohstoffe, ihre Anbauorte und ihre Gewinnung, über Flakondesigner und Seidenweber. Die Autorin Sibyl Quinke spart auch sonst nicht mit Hintergrundwissen zu Architektur, Geschichte und Städtekunde. Eine Busfahrt von Nizza nach Grasse wird genauso detailliert beschrieben wie die Rezepturen wertvoller Düfte.


Das Cover ist nicht mein Geschmack, aber ich hoffe, dass es vielen anderen gefällt und sie bei diesem Buch zugreifen, denn es lohnt sich. Und weil der Krimi wirklich gut ist, verzeiht man auch den ein oder anderen Rechtschreibfehler im Buch ...

 

Sibyl Quinke, Der Tod im Flakon, edition oberkassel, 2017, 250 Seiten, ISBN: 978-3-95813-1040, 12 Euro (als als E-Book erhältlich)

Stürzen wir uns also hinein in die langen Wortschlangen, die uns von ihr und ihm erzählen, ganz anders als in allen anderen Büchern, die ich je gelesen habe.

Sie hat eine unschöne, unliebsame, verletzende Vergangenheit und eine Schwester, die sie immer daran erinnert. Sie trifft ihn, der nach Jasmin und Kirschtabak riecht. Er ist Präparator (und Maler) und arbeitet in einem kleinen Laden, in dem es nach Moder und Chemie riecht. Es wimmelt von toten Tieren, von Schatten, von Geheimnissen und in dieser Kulisse spielt ein wichtiger Teil der Handlungen.

Sie schleichen umeinander herum, fühlen sich voneinander angezogen und zögern doch. Sie warten, beobachten, geben ihren Gefühlen freien Lauf, erschrecken, sehnen. Sie teilen eine Dunkelheit, die Geborgenheit schenkt.

Isabella Feimer schreibt eine Geschichte über Gefangensein in Dunkelheit, in Stille, in Nächten der Erinnerung. Es gelingt ihr, zwei Seiten einer Geschichte so unauffällig zu verknüpfen, dass man beim Lesen nicht mal umschalten muss. Wie von selbst fügt sich das, was einer sagt und einer denkt zusammen. Oder was einer sagt und was ein anderer sagt. Selbstgespräche, Rückblicke, alles so leicht ineinandergeflochten, dass man wie ferngesteuert in Gedanken mit verteilten Rollen lesen kann.

Diese feinsinnig erzählte Geschichte ist ein dunkles Gebilde, was nicht heißen soll, dass man beim Lesen nicht auch mal ins Fliegen kommen kann. Die Autorin jongliert mit Satzbau und Sprache und bestimmt so geschickt das Lesetempo. Manchmal dachte ich, mir geht gleich die Luft aus (obwohl ich mich nicht gehetzt fühlte) und dann gab es auch wieder Atempausen, da konnte ich das Buch dann ruhig für den nächsten Tag aus der Hand legen. Geschickt!

Ein sehr, sehr außergewöhnliches Lesevergnügen von knapp 250 kleinen Seiten im handlichen Format. Wer sich gerne auf eine besondere Reise geben möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf der Homepage das generische Maskulinum verwendet. Mit „der Leser“, „der Autor“ und „der Mensch“ sind hier also in jedem Falle Männer und Frauen gemeint.