Asphaltspuren - Projekt zur Förderung junger Literatur. Literaturzeitschrift für Prosa, Lyrik, und vieles mehr

Projekt zur Förderung junger Literatur

 

Save the date!

Es ist wieder so weit - Ende August gibt es die erste Asphaltspuren-Lesung, Mitte Oktober dann die zweite:

28.8.2016, 17.00 Uhr, Kunstsinnig e.V. im Café Startklar

13.10.2016, Olive, Feines für die Sinne

Mehr Infos gibt es hier.

Schweig

Müde, unendlich müde. Mein Mund umschließt die schmutzigrote Gummibirne, die von der Decke pendelt. Der Gummipfropfen verschließt wie ein Knebel meinen Schlund, selbst Luftholen ist mühevoll. Mein Kiefer schmerzt, meine Lider werden schwerer. So müde. Müde bin ich, geh' zur Ruh ... doch es gibt keine Ruhe für mich. Wenn ich einnicke, löst sich mein Biss und ich stürze gefesselt in die Tiefe. Stürze, wenn ich versuche zu sprechen. Ich will schreien – es ist unmöglich. Endlich reift in mir ein Entschluss. Ehe mein Bewusstsein zerrinnt, öffne ich den Kiefer und brülle im Sturz Worte in die Welt, die keiner hören will.

Achim Stößer
Blitzaktion Juni 2016: 100-Wörter-Text ohne A


Ohne Titel

Der Wecker singt schrill und gellend sein böses Lied. Schon wieder ein Morgen, ein weiterer. Licht leckt mein Gesicht. Ich strecke meinen Körper, dehne meine Glieder. Der Dreck ist entwichen, die Reinigung vom Gewesenen vollzogen. Doch unter der Decke steckt der Teufel. Er liegt mit mir und döst. Liegt noch. Erhebt sich plötzlich. Reckt sich, steht schließlich steif. Er will es jetzt. Der Rest ist noch im Schlummer. Doch der Teufel insistiert. Er weiß, es ist kein Weibchen neben uns im Bett, doch es ist ihm gleich. Selbstbefriedigung: Noch benommen, greife ich zu.

Ingo Bartsch
Blitzaktion Juni 2016: 100-Wörter-Text ohne A


Linkes Leder

Diese selige Stunde von eins bis zwei, in der sein Bewusstsein zum tiefsten Grunde seines Ichs sinkt, ist ihm heilig.
Wie immer um diese Zeit rollt Ulrich zwei Chefsessel in die richtige Position, legt die Hörer neben die Telefone, schließt die Türen zu und begibt sich zur Ruhe, indem er in einen Stuhl niederplumpst und die Füße hochlegt. Wohlig ergießt sich sein fülliger Körper ins kühle Leder und Ulrich schlummert ein.
Bilder vom Meer, von Wolken, von Möwen entstehen und verwehen bis eine Vollbusige in geblümtem Bikini vorbeischreitet, sich Ulrich umwendet und die Bürostühle ins Driften kommen – Genickbruch.

Moni Schreckenberg
Blitzaktion Juni 2016: 100-Wörter-Text ohne A


Der kleine Schlummertrunk

Diese verfluchte senile Bettflucht treibt Hetty um vier Uhr früh ins Wohnzimmer. Entschlossen inspiziert sie die Spirituosen im Vertiko. Nur ein kleiner Schlummertrunk. Von jedem ein Schlückchen wird mir sicher guttun. Sie hockt neben den geöffneten Türen, nippt hier und dort. Portwein. Kirschlikör. Sherry. Rumtopf. Bitter. Kümmel – gehört der nich in den Froster? Eierlikör, mmh kösslich. Ein Schlückchen fü mich. Un noch ein Schlückchen fü mich. Unnoch – ei ei ei, diese Solnhofner Fliesn sin doch wiklich zimmich bequem. Richdich kuschlich. Jetz schnell unner den Teppich schlüpfm un schlummern. Ooch, bin ich müüüde. Cchrr, phüh ...

Ruth Gaidas
Blitzaktion Juni 2016: 100-Wörter-Text ohne A


Verführung

Dunkle Schwerelosigkeit schenkt mir seligen Schlummer, doch pulsierende Rhythmen locken mich.
Wiegend spüre ich ihn hinter mir. Seine Hitze in meinem Rücken. Sein Stoppelkinn kitzelt flüsternd mein Ohr. Sein fester Griff um meine Hüfte. Streichelt umschmeichelnd meinen Po. Umschlungen bewegen wir uns im Tempo der Musik. Feurige Lippen finden sich. Küssen gierig. Finger suchen forschend den Weg, erkunden feuchte Tiefen. Liebkosen, pressen, fordern mehr. Ich will ihn. Hier und jetzt. Sofort! Wie eine Erlösung - endlich - sein perfekter Schw
DRRRIIiIiiiiiing!", schrillt mein Wecker.

Tine Sylwa
Blitzaktion Juni 2016: 100-Wörter-Text ohne A


Vergessen

Die Dunkelheit legt sich wie ein seidenes Tuch über mich und die Sehnsucht zerreißt mir mein Herz. Die Stunden vor dem Zubettgehen sind die schlimmsten. Es ist ruhig und mir schnürt es die Kehle zu. Keine Luft mehr, weil mir mein gebrochenes Herz in den Ohren dröhnt. Ich verkrieche mich unter meiner Decke und in der Finsternis sehe ich dein Bild. Du streichst mir mit leisen Berührungen über die Schultern und den Kopf, heilst mein gebrochenes Herz. Bis die Sonne sich erhebt, die Müdigkeit vertrieben wird und die Erinnerung zurückkommt. Du wirst nie mehr bei mir sein.

Janina Wölk
Blitzaktion Juni 2016: 100-Wörter-Text ohne A


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So bleibt mir nur die Hoffnung

broecker so bleibt mir nur die Hoffnung

Um es auf den Punkt zu bringen: Wer einigermaßen bei Verstand ist und dieses Buch liest, der wird erkennen, wie der Nationalsozialismus in Deutschland entstehen konnte, wie sich die Mehrheit nicht aufgelehnt hat und warum.

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Stadt der Platanen

hooven stadt der platanen

„Im Grunde besitze ich einen Ruhepuls von etwa 57 Schlägen.“ Das ist der erste Satz des Buches von Andreas van Hooven und das ist wohl der zweite Titel des Buches. Außer wenn eine Prise Koks den Puls kurzfristig beschleunigt.

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